Hausacher Stadtschreiber und LeseLenz-Stipendiaten 2018/19 und das Gisela-Scherer-Stipendium vergeben / LeseLenz-Preis der Thumm-Stiftung für Junge Literatur

Lea Streisand, Julia Willmann und Timo Brand kommen nach Hausach / LeseLenz-Preis der Thumm-Stiftung für Junge Literatur geht an Arne Rautenberg (siehe Bild / Birgit Rautenberg). Der Preis ist mit 5.000 Euro dotiert.

Arne Rautenberg

Die Hausacher Stadtschreiberinnen und Stadtschreiber für das Jahr 2018/2019 sind gewählt. Eine dreiköpfige Jury stimmte bei 65 Bewerbungen aus Deutschland, Österreich und der Schweiz  für Lea Streisand (Berlin) in der Sparte Prosa/Lyrik und für Julia Willmann (Berlin) im Bereich Kinder- und Jugendbuch. Letztere bekommt damit auch gleichzeitig die Poetik-Dozentur des Hausacher LeseLenzes und der PH Karlsruhe zugesprochen.

Das Gisela-Scherer-Stipendium, das den Namen der LeseLenz-Mitbegründerin Gisela Scherer trägt, die 2010 verstorben ist und das die Erinnerung an sie lebendig halten will, erhält der in Wien lebende und in Düsseldorf geborene Lyriker und Literaturkritiker Timo Brand.

Lea Streisand tritt ihr Stipendium im Sommer 2018 an und Julia Willmann wird im Oktober diesen Jahres nach Hausach kommen. Das Gisela-Scherer-Stipendium ist für den Zeitraum ab Mitte Februar - Mitte Mai 2019 vorgesehen; dann wird Timo Brand in Hausach sein.

Begründung der Jury für Lea Streisand:

"Lea Streisand legt einen Debütroman vor, der mit Witz, Sentiment und Chuzpe punktet. Ein Roman gleich aus zwei Leben gegriffen; die strahlende Lea, die plötzlich durch einen Tumor an der Wirbelsäule gebremst wird und Mütterchen, Leas Großmutter, deren eigenwillige und tolle Geschichte ihr Halt und dem Leser eine wunderbare Figur schenkt.

Ein großartiger Roman, der zwei unberechenbare Gegner der Menschheit - Krebs und Krieg - humorvoll und hochliterarisch in die Schranken weist.

Lea Streisand

geboren wurde Lea Streisand 1979 im Ostteil Berlins. Die ersten zehn Jahre ihres Lebens verbrachte sie in der DDR. "Natürlich hat mich das geprägt", sagt sie, "es sind ja nicht nur die zehn Jahre, die ich dort verbracht habe. Meine ganze Familiengeschichte ist eine ostdeutsche." Die Aufarbeitung der DDR-Geschichte beschäftig sie.

Nach einem Studium der Neueren deutschen Literatur und Skandinavistik an der Humboldt-Universität Berlin wurde sie Mitglied der Berliner Lesebühnen und liest seit 2003 dort Geschichten vor. Seit 2005 schreibt sie außerdem Artikel und Kolumnen für die taz. Im Jahr 2009 erschien ihr erstes Hörbuch "'Wahnsinn in Gesellschaft" und seit 2014 spricht sie bei Radio Eins ihre wöchentliche Kolumne "War schön jewesen".

Jüngste Publikationen:

Lea Streisand. Im Sommer wieder Fahrrad. Roman. Ullstein Buchverlage. Berlin 2016 und War schön jewesen. Geschichten aus der großen Stadt. Ebda. Berlin 2016

www.leastreisand.de

Begründung der Jury für Julia Willmann:

"Das haben wir noch nie probiert, also geht es sicher gut". Das meint die kluge Pippi Langstrumpf und weil die Jury für die neuen Hausacher Stadtschreiber*innen der gleichen Meinung ist, hat sie sich 2018 für Julia Willmann entschieden.

Kein fix und fertiges Kinderbuch hat die in Freiburg i.B. geborene und inzwischen in Berlin lebende Autorin eingereicht, sondern das Manuskript Rascha und die Tür zum Himmel, das erzählt einfühlsam, liebevoll, lustig und manchmal auch melancholisch vom Beginn und vom Ende eines Menschenlebens und der schönsten Fasnet von allen.

Julia Willmann

1973 in Freiburg im Breisgau geboren und dort aufgewachsen. Studium der Germanistik, Romanistik und Medienwissenschaften in Aix-en-Provence und Düsseldorf. Magisterarbeit zum Thema "Sprache und Sprachlosigkeit im Werk Ingeborg Bachmanns". Studium der Filmregie an der Deutschen Film- und Fernsehakademie Berlin. Freie Autorin für Deutschlandfunk Kultur und den WDR, Spielfilmredakteurin bei ARTE in Straßburg und Creative Producer  bei der Little Shark Entertainment, Köln: Entwicklung von Kino und Fernsehfilmen. Seit 2011 freischaffende Autorin und Dramaturgin. Dozenturen für Stoffentwicklung und Dramaturgie an der Deutschen Film und Fernsehakademie Berlin und der Internationalen Filmschule Köln. Seit 2003 Veröffentlichung literarischer Texte in Anthologien und Literaturzeitschriften. 2010 Stipendiatin der Kunststiftung Baden-Württemberg. 2017 Stadtschreiberin in Rottweil.

Jüngste Publikation:

Julia Willmann. was es ist Roman. Fontis-Brunnen. Basel 2017

Begründung der Jury für Timo Brandt:

Dem Lärm der Gegenwart begegnet er im Gedicht. Timo Brandt, ein Dichter, der immer wieder die Stille der Welt aufsucht und daraus klare Bilder in Fragen schöpft, die ihn genau diese Welt, aus der die Fragen entspringen, entdecken lässt. Wort um Wort. Vers um Vers. Wider das "Massaker des Vergessens" entwirft er eine Poesie der demütigen Annäherung. Eine Poesie, die erzählt, indem sie Wahrheiten abtastet. So wird sie wirklich und wirksam. "Woran wir sind / weiß niemand/ den du kennst", endet eines seiner Gedichte. Vielleicht ist diese Erkenntnis die Voraussetzung sich dem Leben zwischen Wahrheit und Wirklichkeit zu stellen.

Timo Brandt

Timo Brandt wurde am 13.02.1992 in Düsseldorf geboren und wuchs in Hamburg auf. Seit 2014 Studium am Institut für Sprachkunst an der Universität für angwandte Kunst Wien. Von  2015-2018 Mitherausgeber der JENNY-Literaturzeitschrift. Seit 2016 Rezensent für die Onlinemedien fixpoetry.com und signaturen-magazin.de, sowie für die Prinnt-Medien Zwischenwelt, Kolik und Literatur und Kritik.

Jüngste Publikation:

Timo Brandt. Enterhilfe fürs Universum. Gedichte. Verlag edition offenes feld. Herausgegeben von Jürgen Brocan. Dortmund 2017

Arne Rautenberg

Arne Rautenberg, geboren 1967 in Kiel, lebt und arbeitet nach dem Studium der Kunstgeschichte, Neuerer Deutscher Literaturwissenschaft und Volkskunde an der Christian-Albrechts-Universität in Kiel als freier Schriftsteller und Künstler. Er schreibt Gedichte, Essays, Kurzgeschichten, Romane und arbeitet für verschiedene Feuilletons. Sein literarisches Hauptfeld ist die Lyrik. Als Romancier hat Rautenberg 2002 mit dem (Kiel-)Roman "Der Sperrmüllkönig" debütiert. Überdies hat er in den vergangenen 20 Jahren mehr als 20 Werke veröffentlicht, zuletzt die drei ernsthaften Gedichtbände "mundfauler staub" (2012), "seltene erden" (2014) und "nulluhrnull" (2017). Rautenberg veröffentlich auch sehr erfolgreich Gedichtbände für Kinder. Zuletzt "der wind lässt tausend hütchen fliegen" (2010), "montag ist mützenfalschrumtag" (2013), "unterm bett liegt ein skelett" (2016) und "rotkäppchen fliegt rakete" (2017).